Mischas Mestia

Seit 1993 besuchte Rainer Kaufmann mit Reisegruppen oder TV-Teams mehrfach im Jahr Swanetien, die wohl bekannteste Kaukasus-Region mit ihrem in vielen Dörfern unverfälschten mittelalterlichen Flair. Im Jahr 2012 aber begann der große Umbruch, eine Modernisierungswelle, die zunächst die Zentralstadt Mestia erfasste. Mikhail Saakaschwili, der damalige Präsident, wollte sich im Wahljahr an verschiedenen Plätzen im ganzen Land als der große neuzeitliche Baumeister Georgiens präsentieren. So auch in Mestia, dem er neben hochmodernen Beton-Bauten eines Berliner Architekten vor allem eine alpenländische Holz-Fassaden-Kosmetik im Straßenbild verpasste. Und den zentralen Platz ließ er komplett zu einem Geschäfts- und Hotel-Zentrum umbauen, das jahrelang leerstand und jetzt ziemlich heruntergekommen ist. Sein Ziel: Mestia und Swanetien fit zu machen für den Ganzjahres-Tourismus, weshalb auch die Skilifts Hatsvali und Tetnuldi-Plateau folgten, letzterer vor allem mit schwerwiegenden Eingriffen in das Ökosystem und die Landschaft. Und Mestia, so die Vorgaben des damaligen Präsidenten, sollte auf mehr als 20.000 Hotelbetten ausgebaut werden. Zum Vergleich: Das weitaus größere Skiparadies Kronplatz in Südtirol mit seinen unzähligen Liftanlagen hat rund 35.000 Hotelbetten, die es im Jahr 2015 auf gerade einmal auf eine Belegungsquote von 38,8 Prozent gebracht haben. Und der georgische Präsident hat damals den Swanen mehr als eine Million Touristen im Jahr versprochen…

In der folgenden Fotostrecke erinnern wir noch einmal an Mischas wilde Bauwut in Mestia.

 

 

 

Fassaden-Kosmetik am zentralen Platz und in der Hauptstraße. Diese Hausbesitzerin war recht ratlos, man hatte ihr ohne ihr Einverständnis einfach eine Holzfassade vor ihr Haus angeklebt.

 

Es gab auch Gewinner der Modernisierung: Die ersten Skater auf den Straßen Swanetiens.

 

Die schlimmste Bausünde von Mischa, dem Erbauer: Am zentralen Platz wurden alle Durchblicke auf die Vororte von Mestia mit den faszinierenden mittelalterlichen Wohntürmen durch neue Beton-Gebäude versperrt. Dafür hielt Königin Tamar Einzug in der swanetischen Metropole.

 

Und hier noch ein ganz besonderes Schmankerl, zumindest aus deutscher Sicht:

Das Büro des zuständigen Ortsverbandes Mestia allerdings haben wir bis heute nicht gefunden…

 

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