Am 28. August feiert die Orthodoxie das Fest Mariä Himmelfahrt, in ihrer Sprache: Mariä Entschlafung. Am eindrucksvollsten feiert man dieses Fest auf Zminda Sameba, der Wallfahrtskirche am Fuße des Berges Kazbek.

ERKA-Reisen-Chef Rainer Kaufmann war  im Jahr 1991 schon dabei, als Mariamoba erstmals nach den Zeiten der Sowjetunion wieder begangen werden durfte. Und seither hat sich das Fest zu dem entwickelt, was es Jahrhunderte wohl gewesen war: eine christliche Wallfahrt verbunden mit vorchristlichen Schlachtopfer-Ritualen. Erklärt wird dieses Phänomen, dass die Orthodoxie die Kirche Zminda Sameba im 13. Jahrhundert auf einem alten vorchristlichen Kultplatz erbauen ließ als deutliches Zeichen dafür, dass das Christentum das Heidentum mit all seinen Traditionen endgültig überwunden hatte.

Die Bergbevölkerung lies es sich aber nicht nehmen, trotz ihres christlichen Glaubens ihre überlieferten Opferrituale beizubehalten. Bis vor wenigen Jahren wurden an Mariamoba Dutzende von Schafen aufgetrieben, mehrfach um die Kirche herum geführt und dann im Kirchhof geschächtet, um auf der großen Wiese dann geschlachtet, gekocht oder gegrillt und schließlich verzehrt zu werden, geopfert eben und dies mit jeder Menge an Alkohol, oft genug eine nur mehr als unerfreuliche Begleiterscheinung. Priester jedenfalls hatten bei diesem Spektakel bis in die Anfangsjahre dieses Jahrtausends so gut wie nichts zu suchen.

Erst seit die Orthodoxie neben Zminda Sameba ein kleines Kloster gebaut hat und der Platz somit unter die Obhut des Patriarchats gelangte, sind Tieropfer im Klosterareal verpönt. Sie fanden in den letzten Jahren auch kaum noch auf der große Wiese unterhalb der eindrucksvollen Kirche statt. Diese Fotostrecke stammt aus dem Jahr 2003, als das Marien-Wallfahrtsfest noch deutlich von vorchristlichen Riten und großen Gelagen auf der Wiese dominiert war. Sie sind deshalb historisch, weil sie eine für unsere Zeit nahezu einmalige Situation dokumentieren, in der vorchristliches Heidentum und Christentum eine unglaubliche Symbiose eingegangen waren, wie auch immer man dieses bewerten mag.

 

 

Dass solche Bilder der Vergangenheit angehören, muss man nicht unbedingt bedauern. Trotzdem oder gerade deshalb ist Mariamoba eines der eindrucksvollsten kirchlichen Feste in Georgien, wenngleich es in den letzten Jahren von einem ungeheuren Ansturm an Touristen überrollt wurde. In diesem Jahr – Corona sei auch mal gedankt – dürfte sich das Fest wieder eher als besonderer religiöser Feiertag an einem besonderen Ort präsentieren, der kleinen Felsnase vor dem Berg Kazbek, dem Berg, an dem die Götter Prometheus angeschmiedet haben als Strafe dafür, dass er den Menschen das Feuer brachte. Für viele ein so genannten „Kraftort“ und das seit uralten Zeiten